Kapitalanlage Banksparplan: Weder Fisch noch Fleisch?

Aktuelle Banksparpläne werben gern mit einem Zinsbonus von 50 %, 75 % oder gar 100 %, großer Flexibilität und stellen sich gern als eine lukrative Anlagealternative zu einem langfristigem Vermögensaufbau dar. Was sich da aber in den Auslagen der Filialen so gut präsentiert, ist es leider nicht, denn zwischen Sparbuch und vermeintlich lukrativer Kapitalanlage für jeden gefangen, ist der Banksparplan weder Fisch noch Fleisch.

Niedriger Basiszins und hoher Zinsbonus

Bei einem Banksparplan wird eine regelmäßige, monatliche Einlage mit einer gewissen Mindesthöhe verlangt die auf ein Extrakonto angespart wird. Auf das angesparte Vermögen auf diesem Konto kann nicht ohne Weiteres zugegriffen werden, sondern es muss in der Regel gekündigt und die Kündigungsfrist abgewartet werden, wenn man nicht bis zum Ende der Laufzeit warten möchte.

Die meisten Banksparpläne sind durch einen relativ niedrigen Basiszins von 0,x % bis zu 1,x % gekennzeichnet, der durch fast schon unglaublich hohen Zinsbonus von bis zu 100 % zuzüglich zum Basiszins ausgeglichen werden soll - einzige Voraussetzung: Der Anleger muss nur lange genug am Ball bleiben, denn den vollen Bonus gibt es (verständlicherweise) nicht gleich am Anfang. Üblich sind hierbei sehr langsame Zinsanstiege am Anfang und sehr starke Zinssprünge gegen Ende der Laufzeit.

Damit liegt der Basiszins meist nur auf Sparbuchniveau und weit unter vergleichbaren konservativen Kapitalanlagen - oft sogar unter dem Zinsniveau von verzinsten, kostenlosen Girokonten! Aber: Dafür gibt es ja zum Ausgleich den hohen Zinsbonus...

Flexibel und einfach

Je stärker bei einem Finanzprodukt die Flexibilität seitens des Verkäufers betont wird, desto geringer ist sie letztendlich oft - so auch bei vielen Banksparplänen, die z. B. eine Änderung der monatlichen Sparrate zulassen, meist über die Anpassung eines Dauerauftrages, dies jedoch nur nach unten!

Ähnlich verhält es sich mit dem Zugriff auf das Sparvermögen: Kündigungsfristen von üblicherweise 3 Monaten sind nicht als flexibel zu betrachten.

Hohe Zahlen - und trotzdem eine niedrige Rendite

Kleinvieh macht auch Mist - und das zeigt sich bei genauerer Betrachtung eines Banksparplans sehr gut. Nicht umsonst gewähren Banken diese hohen Zinsboni, denn sie rechnen sich in jedem Fall für die Banken, denn durch den niedrigen Basiszins wir der Zinseszinseffekt, welcher beispielsweise bei thesaurierenden Anlagen für einen Großteil der Kapitalgewinne verantwortlich ist, mehr oder weniger ausgeschaltet.

Dadurch, dass die hohen Zinsboni von 50, 75, 100 % erst sehr spät und nur auf die im jeweiligen Jahr geleistete Spareinlage geleistet werden, aber der eigentliche Zins an sich nur sehr niedrig ist, ergibt sich über mehrere Jahre eine sehr niedrige Rendite.

Beispiel: Ein Banksparplan wirbt mit einer Basisverzinsung von 0,25 % p.a. und einem Zinsbonus, der sich über 25 Jahre bis zu 100 % steigert. Der Zinsbonus wird nur auf die im jeweiligen Jahr geleistete Spareinlage gewährt. Für die Steigerung des Zinsbonusses legen wir in der Praxis weit verbreitete Werte aus der unteren Grafik zugrunde:



Spart man monatlich 200 Euro und senkt niemals die monatliche Sparrate, so ergibt sich daraus folgender Zinsertrag:



Was auf den ersten Blick nicht schlecht aussieht, ist es, wenn man sich ansieht, wie hoch der mittlere Zins mit Zinsbonus ist. Bei einem Basiszins von 0,25 % würde er nach:
  • 5 Jahren 1,26 %,
  • 15 Jahren 1,88 %,
  • 25 Jahren 2,47 %,
Der Zinsbonus von bis zu 100 % entspricht dabei einem mittleren Zins von
  • ca. 1,00 % nach 5 Jahren,
  • ca. 1,65 % nach 15 Jahren und
  • ca. 2,27 % nach 25 Jahren
Man sollte sich bei diesen Zahlen vor Augen halten, dass selbst in konjunkturell schwachen Zeiten Tagesgeldangebote eine Verzinsung von 2 % bis zu 2,5 % p.a. (ab dem ersten Tag!) oder Festgeldanlagen über 10 Jahre eine Verzinsung von 4,00 % bis zu 5,00 % p.a. bieten - ohne das man 25 Jahre sparen muss!

Wie stark der Basiszins, und damit der Zinseszinseffekt, darüber entscheidet, wie lukrativ eine Anlage ist, zeigt sich noch stärker, wenn wir bei dem obigen Beispiel den Basiszins anheben und uns das Verhältnis zum Zinsbonus ansehen.

Basiszins von 0,5 % über eine Laufzeit von 25 Jahren:



Basiszins von 1,00 % über eine Laufzeit von 25 Jahren:



Basiszins von 2,00 % über eine Laufzeit von 25 Jahren:



Trotz eines hohen Zinsbonusses von bis zu 100 % zeigt sich, dass ein hoher Basiszins sehr viel stärker auf den Zinsertrag wirkt, während das Risiko eines hohen Zinsbonusses aus Sicht der Bank kalkulierbar ist.

Flexibilität senkt die Rendite

Auch die angebliche Flexibilität wirkt stark renditesenkend, denn mit einer Vertragskündigung ist der späte Bonus natürlich hinfällig - wie gering der Zinsertrag dann noch ausfällt, kann man den obigen Beispielen entnehmen.

Ähnlich verhält es sich bei einer Absenkung der Sparraten: Da diese stets nur bis zur Mindestspareinlage gemindert, jedoch nicht mehr angehoben werden können, sinkt damit natürlich auch der Zinsertrag. Würde man beispielsweise die Sparrate von 200 Euro auf 100 Euro absenken, würde der Zinsbonus im 25. Jahr statt 2.400 Euro nur noch 1.200 Euro betragen. Je später die Raten gesenkt werden, desto stärker bricht die Rendite ein, da der Zinsbonus erst sehr spät greift.

Banksparplan nutzt vor allem der Bank

Neben der allgemeinen schlechten Rendite sollten bei einem Banksparplan weitere Negativfaktoren beachten werden, denn da Banksparpläne meist recht früh, in wirtschaftlichen starken Zeiten, von Kunden abgeschlossen werden, wird meist eine recht hohe monatliche Rate gewählt - schließlich möchte man ja in ein paar Jahren von den steigenden Zinsboni ordentlich profitieren!

Mit steigendem Alter stehen viele Menschen leider oft vor dem Problem, dass die sehr früh hochgesteckten Sparziele nicht mehr gehalten werden können - bereits eine vorübergehende Arbeitslosigkeit kann dazu führen, dass die vereinbarten monatlichen Sparraten nicht mehr geleistet werden können und somit gesenkt werden. Dies entlastet natürlich im Sinne der Flexibilität - nur: da die Raten rückwirkend nicht mehr erhöht werden können, sinkt somit natürlich auch die jährliche Spareinlage, für die es gegen Ende der Laufzeit die hohen Boni gibt, womit die Renditeaussicht stark schrumpft.

Am meisten lohnt sich der Banksparplan für die Bank, da sie sich so in den ersten Jahren zu sehr günstigen Konditionen am Privatkundenmarkt Geld beschaffen kann und die hohen Zinsversprechungen in der Regel nicht einlösen muss, da ein Großteil der Kunden bis zum Laufzeitende oft den Vertrag kündigt oder die monatlichen Sparraten absenkt - selbst wenn Kunden „durchhalten“ sollten, ist die Verzinsung aus Bankensicht immernoch sehr niedrig und damit das Risiko sehr gut kalkulierbar.

Wer als Kunde sein Geld sicher und gut anlegen möchte, der ist mit einem Tagesgeldkonto (beste Flexibilität, höhere Verzinsung ab dem ersten Tag) oder einer Festgeldanlage (unflexibel, aber beste Rendite bei höchstmöglicher Sicherheit) wesentlich besser beraten als mit einem Banksparplan.