Presseausweis beantragen und Kosten

Der Presseausweis gilt nach wie vor als die Eintrittskarte zu kostenlosen Angeboten, Rabatten, Freikarten und Vergünstigungen - nur: Wo kann man einen Presseausweis beantragen und welche Kosten sind damit verbunden? Und vor allem: Bekommt man wirklich Freikarten, Rabatte und Vergünstigungen?

Das Problem bei einem Presseausweis ist, dass es mittlerweile Presseausweise wie Sand am Meer gibt und im Gegensatz zum eigentlichen Zweck, dass damit nur akkreditierte Journalisten ausgestattet werden sollen, kann man bei verschiedenen Anbietern im Internet und offline schon gegen vergleichsweise geringe bzw. gar keine Voraussetzungen einen Presseausweis erhalten. Die einzige Voraussetzung ist oft, dass man diesen bezahlt.

Diese Praxis wird dadurch angeheizt, dass fast jeder, der z. B. im Internet in irgendeiner Weise journalistisch tätig ist - und das kann jeder mit einer öffentlichen Webseite sein - schon als Journalist eingestuft wird, unabhängig davon, ob dem auch nach den eng gesteckten Kriterien des Berufes überhaupt so ist.

Im Gegensatz zu anderen Berufen haben Journalisten den Nachteil (und Vorteil), dass diese Berufsbezeichnung (im Gegensatz z. B. zu Architekten und dem Architektenausweis) nur eingeschränkt geschützt ist. Diese Haltung des Gesetzgebers ist keiner Gesetzeslücke, sondern der gesetzlich garantierten Pressefreiheit zu verdanken.

Aus diesem Grund kann auch jeder x-beliebige Anbieter Presseausweise herausgeben - nur: überall anerkannt sind diese meist nicht, sondern nur die Presseausweise, die:
- vom DJV (Deutscher Journalistenverband),
- vom BDZV (Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger),
- von FREELENS (Fotojournalistenverband),
- vom VDS (Verband Deutscher Sportjournalisten),
- vom VDZ (Verband Deutscher Zeitschriftenverleger) oder
- vom Fachbereich Medien von ver.di herausgegeben werden.

Diese Organisationen vergeben jedoch nicht den Presseausweis an jede Person, sondern nur an Personen, die hauptberufliche Journalisten (also davon ihr Einkommen bestreiten) sind und möglichst auch durch mindestens einen bekannten journalistischen Auftraggeber (z. B. ein Verleger) aus dem Bereich als solche bestätigt wurden. Alternativ reicht auch der Nachweis der Mitgliedschaft in der KSK (Künstlersozialkasse) oder ein Nachweis, dass mindestens 50 % der Einnahmen mit der journalistischen Tätigkeit erzielt wurden.

Die Kosten für den Presseausweis betragen je nachdem nichts (bei einer Mitgliedschaft) oder bis zu 50 Euro (z. B. ver.di) für Nichtmitglieder zzgl. 10 Euro wenn man ein „Pressennummerschild“ möchte.

Möchte man den Internationalen Presseausweis, der auch im Ausland anerkannt ist, so kostet dieser bei ver.di z. B. 30 Euro - er wird jedoch nur an Mitglieder vergeben und auch nur an jene, die einen Monatsbeitrag von mehr als 15 Euro entrichten. Im Gegensatz zur Ausstellung des bundeseinheitlichen Presseausweises kann die Ausstellung jedoch ein paar Wochen dauern.

Aber: Der Presseausweis, um die Eingangsfrage abschließend zu beantworten, ist im Grunde fast nichts mehr Wert - denn echte Vergünstigungen gibt es meist nur auf nachdrückliches Nachfragen. Und selbst dann wollen fast alle Anbieter neben dem Presseausweis auch noch eine Auftragsbestätigung durch den Auftraggeber sehen. Freikarten und freier Eintritt und VIP Zugang sind übrigens meist Schnee von gestern - entweder gibt es Freikarten, die jeder bekommen würde, der auch so darüber berichten möchte (also auch ohne Presseausweis) oder überhaupt keine mehr.

Generell ist aufgrund der hohen Zahl von Journalisten, auch der hauptberuflichen, der Presseausweis nicht das, für das er allgemein gehalten wird. Gerade bei Exklusivzutritten hinter die Kulissen von Veranstaltungen, zu Stars, VIPs usw. gilt die Regel „Man kennt sich, man grüßt sich!“ - der Presseausweis ist dann vollkommen egal und berechtigt nicht automatisch dazu, dass man hier als Neuling dazustoßen darf.

Wer trotzdem noch an einem Presseausweis interessiert ist: Eine Übersicht über die möglichen Rabatte für Inhaber des „echten“ Presseausweise findet man hier.