Private Krankenversicherung: Mit Selbstbehalt sparen!

Die private Krankenversicherung ist für Freiberufler, Selbständige und Beamte die einzige Alternative zur vergleichsweise teuren gesetzlichen Krankenversicherung, bei der man oft mit einem bereits vergleichsweise niedrigem Einkommen als Selbständiger hoch veranschlagt wird.

Damit man bei der privaten Krankenversicherung jedoch einiges gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung sparen kann, ist auch hier einiges zu beachten: Neben möglichen und beeinflussbaren Zusatzleistungen der Privaten wie etwa Einbettzimmer, Chefarztbehandlung, Krankentagegeld, die den Tarif verteuern, kann man vor allem mit dem Selbstbehalt sehr viel sparen - oder auch nicht!

Sparfaktor Selbstbehalt

Das Tarifmodell der privaten Krankenkasse setzt sich fast immer wie folgt zusammen: Beitragshöhe = gewählter Tarif + Zusatzleistungen * Selbstbehalt - das heißt, das vor allem die Höhe des Selbstbehaltes in der PKV der wichtige Sparfaktor ist, der darüber entscheidet, wie hoch die monatlichen Beiträge ausfallen.

So bestätigt sich bei allen privaten Krankenkassen oft folgende, vereinfachte - da diese durchschnittlichen Angaben hinsichtlich des Selbstbehalts natürlich je nach Kassentarif leicht abweichend sein können - Aussage: Mit einem jährlichen Selbstbehalt von 300 - 600 Euro wird der monatliche Beitrag oft um 25 - 30 % reduziert, ein Selbstbehalt von 1.200 - 1.500 Euro reduziert den monatlichen Beitrag oft um bis zu 50 % und ein Selbstbehalt von bis zu 3.000 Euro senkt den monatlichen Beitrag oft bis zu 70 - 75 % ab!

Während man ohne Selbstbehalt beispielsweise mit einem monatlichen Beitrag zwischen 400 - 500 Euro selbst als „idealer“ (jung, keine Vorerkrankungen) Versicherungsnehmer rechnen kann, lässt sich der monatliche Beitrag zur privaten Krankenversicherung mit einem Selbstbehalt von 3.000 Euro auf 90 - 125 Euro absenken.

Eine private Krankenversicherung für Versicherungsnehmer zwischen 20 - 30 Jahren, die ohne Zusatzleistungen mehr als 350 - 400 Euro im Monat kostet, sehen wir als überteuert an, da der Abstand zum Höchstbetrag der gesetzlichen Krankenkasse (2011: 575,43 Euro, 2012: 592,88 Euro, jeweils zzgl. Pflegeversicherung) unter Berücksichtigung der Beitragssteigerung mit steigendem Alter einfach zu gering ausfällt.

Hoher Selbstbehalt = mehr Kosten?

Gegen einen hohen Selbstbehalt wird seitens der Versicherungsmakler, welche natürlich für einen hohen Abschluss auch eine höhere Provision erhalten, argumentiert, dass dieser letztendlich mehr Kosten verursacht und man nicht wirklich spart. Diese Aussage ist unserer Erfahrung nach jedoch sehr gewagt, da hier die Praxis sowie Mitnahmeeffekte für den Versicherten ausgeblendet werden.

So schlägt eine private Krankenversicherung ohne Selbstbehalt ausgehend am obigen Beispiel mit 6.000 Euro (ca. 500 Euro pro Monat) im Jahr zu Buche, während eine Krankenversicherung mit einem Selbstbehalt von 3.000 Euro und ca. 120 Euro monatlichem Versicherungsbeitrag bei voller Nutzung des Selbstbehalts nur mit 4.440 Euro zu Buche schlägt.

Aber: Selbst wenn die private Krankenversicherung ohne Selbstbehalt nur 350 Euro kosten sollte, und damit ausgehend von den obigen Beispielen leicht günstiger als mit einem hohen Selbstbehalt und niedrigem Monatsbeitrag ist, kann dies immer noch teurer sein!

Fast jede private Krankenversicherung bietet eine mit den Jahren steigende Beitragsrückerstattung an, wenn die Krankenversicherung das Jahr über nicht oder gar nicht in Anspruch genommen wird - so gilt im Schnitt, dass bei einer Nichtinanspruchnahme der privaten Krankenversicherung mit folgenden Rückerstattungen gerechnet werden kann:
- 1 Jahr bis zu 1 Monatsbeitrag,
- 2 Jahre bis zu 1,5 Monatsbeiträge,
- 3 Jahre bis zu 2 Monatsbeiträge,
- 4 Jahre bis zu 2,5 Monatsbeiträge,
- 5 Jahre bis zu 3 Monatsbeiträge.

Wird das obige Beispiel mit diesen Zahlen ergänzt, so lässt sich wiederum folgende Aussage nach 2 Jahren treffen (Kassenhöchstbeitrag 2011 und 2012), in denen keine Leistungen in Anspruch genommen wurden:

Selbstbehalt private Krankenversicherung sparen

Selbst wenn man Kosten von 5.000 Euro innerhalb dieser 2 Jahre gehabt haben sollte, ergibt sich gegenüber den anderen PKV Tarifen noch eine Ersparnis von 500 - 4.000 Euro (!), da mit einer Inanspruchnahme der Leistungen bei diesen natürlich die Beitragsrückerstattung entfällt - zur gesetzlichen Krankenversicherung beträgt die Ersparnis immer noch ca. 6.500 Euro!

Selbstbehalt: Steuervorteile und mögliche Kosten

Die meisten Versicherungsmakler werden trotzdem immer wieder darauf hinweisen, schließlich geht es um ihre Provision, dass die Kosten für Ärzte aber sehr hoch sind und man dieses Risiko nicht unterschätzen sollte. Auch hier können wir nur widersprechen, da die Kosten bei Allgemeinmedizinern, welcher statistisch deutlich öfter als Fachmediziner oder stationäre Aufenthalte in Anspruch genommen sind, vergleichsweise günstig sind - trotz des Faktes, dass Allgemeinmediziner gegenüber Privatpatienten gern den Höchstsatz abrechnen!

So kann ein Besuch beim Hausarzt (Allgemeinmediziner) mit ca. 20 - 40 Euro angesetzt werden, ein Besuch beim Facharzt kann mit 120 Euro bis zu 200 Euro veranschlagt werden, Impfungen mit ca. 100 Euro oder eine umfangreiche Behandlung beim Zahnarzt mit bis zu 250 - 350 Euro - teuer sind nur sehr aufwendige Untersuchungen sowie stationäre Aufenthalte im Krankenhaus, die dann ab 1.000 Euro aufwärts kosten können.

Wer sich selbst also eine gute Gesundheit bescheinigen kann und nur zum Hausarzt geht sowie gelegentlich zum Facharzt (Frauenarzt / Zahnarzt) geht, kann im Schnitt mit jährlichen Kosten von 100 - 500 Euro rechnen. Sollte trotzdem einmal ein Krankenhausaufenthalt und eine Operation notwendig sein, so greift trotzdem ab dem Selbstbehalt die Krankenversicherung, welche diese dann sehr hohen Kosten abdeckt.

Wichtig: Diese Kosten im Rahmen des Selbstbehalts können, abzüglich der zumutbaren Belastung von 1 - 7 %, als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgezogen werden. Das heißt, dass Kosten, die nur aufgrund eines hohen Selbstbehalts anfallen zusätzlich noch steuermindernd geltend gemacht werden können.

Fazit: Wer nur sehr selten einen Arzt in Anspruch nimmt und sich für einen hohen Selbstbehalt entscheidet, der kann die (private) Krankenversicherung letztendlich als das nutzen, was sie eigentlich sein soll: Eine Versicherung gegen unverhältnismäßig hohe und möglicherweise existenzbedrohende Kosten, wenn man wirklich einmal schwer erkranken sollte.