Altersvorsorge - Versorgungslücken im Vorfeld berechnen

Im Alter mittellos dazustehen und auf staatliche Sozialleistungen angewiesen zu sein, gehört sicherlich zu einem der schlimmsten Szenarien, die man sich als junger Mensch ausmalen kann. Doch wie soll man berechnen, ob im Alter eine Versorgungslücke entsteht? Wie teuer wird das Leben als alter Mensch sein, mit welchen Mehrkosten muss man rechnen und welche Kosten fallen weg?

Reicht die gesetzliche Rente zum Leben aus?

Die Frage lässt sich ganz einfach beantworten: Nein! Die Rente ist vielleicht sicher - aber sicher nicht ausreichend. Selbst wenn Sie als Arbeitnehmer den Höchstbetrag in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, sollten Sie zusätzlich im Berufsleben sparen, um nicht Gefahr zu laufen, im Alter mit finanziellen Problemen zurechtkommen zu müssen.

Der Renteneintritt stellt erstmal einen deutlichen Einschnitt dar: schon rein strukturell bleibt die gesetzliche Rente weit hinter dem zuletzt erzielten Einkommen zurück. Sollten Sie auf den Punkt genauso viel verdienen, wie der deutsche Durchschnittsarbeitnehmer, und damit auch die entsprechenden durchschnittlichen Rentenversicherungsbeiträge zahlt, „verdient“ jährlich gerade mal einen Rentenpunkt - der einen aktuellen Wert von EUR 28,07 in Westdeutschland hat. Legt man eine Berufstätigkeit von 45-jähriger Dauer voraus, ergibt sich hochgerechnet eine monatliche Rente von EUR 1263,15. Arbeitslosigkeitsphasen verschlechtern diesen Wert noch zusätzlich.

Altersvorsorge Versorgungslücken

Zusätzliche Einschnitte: Rentenbesteuerung

Experten gehen davon aus, dass Rentner mit etwa 80 % ihres letzten Nettogehalts finanziell gut über die Runden kommen, denn mit Aufgabe des Berufslebens entfallen einige Kosten. Doch das ist nur ein kleines Trostpflaster: erhält der Durchschnittsrentner zwar EUR 1263,15 pro Monat, muss aber unbedingt bedenken, dass diese Summe pro Jahrzehnt minimum 24 % an Wert verliert - der Kaufkraftverlust aufgrund der ganz normalen Inflation.

Hinzu kommt, dass sich der Fiskus mit jedem Jahr ein größeres Stück von den Renteneinkünften abschneidet. Die Rentenbesteuerung wächst schrittweise bzw. jährlich um 2 %, ab dem Jahr 2021 um ein Prozent, und wird im Jahr 2040 bei 100 % des persönlichen Steuersatzes liegen.

Kosten und Einsparungen im Rentenalter

  • Wohnen / Lebenshaltung: Auch Senioren müssen Miete bezahlen - im Zweifelsfall ist diese sogar höher als heute, denn Mieten sinken tendenziell nicht, sie steigen. Wer im Eigenheim wohnt, muss ebenso Rücklagen bilden, und zwar für anfallende Reparaturen und ggf. für einen seniorengerechten Umbau.

  • Gesundheitsschutz: Abhängig davon, ob der Rentner privat oder gesetzlich krankenversichert ist, beeinflusst der Posten „Gesundheit“ das Budget unterschiedlich stark: während gesetzlich Versicherte häufig mit ermäßigten Beiträgen im Seniorenalter rechnen können, müssen Privatversicherte in aller Regel einen mit den Jahren immer teurer werdenden Gesundheitsschutz in Kauf nehmen.

  • Berufsbedingte Kosten: Kantinenessen, Berufskleidung, Fahrtkosten - alles Dinge, die ein Rentner nicht mehr bezahlen muss. Das heißt Einsparungen in eben jener Höhe, in der die Kosten während des Berufslebens angefallen sind.

  • Steuerlast: Zwar ist die Besteuerung im Rentenalter geringer, als zu Zeiten des Berufslebens, doch ist die Belastung noch immer nicht unerheblich. Dies gilt vor allem für Ruheständler mit Immobilienbesitz oder Personen, die eine Betriebsrente erhalten.

  • Versicherungen: Vorteil - sowohl die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU), als auch das Krankentagegeld wird mit Abschluss des Berufslebens überflüssig. Gleiches gilt in den meisten Fällen für die Risikolebensversicherung: sie wird im Rentenalter in aller Regel nicht mehr gebraucht, da das Eigenheim abbezahlt, große Verbindlichkeiten getilgt und die Kinder fertig ausgebildet sind.