Verkauf von Krediten und Darlehen im Hintergrund

Was bislang im Hintergrund passierte, wurde vielen Kunden und Kreditnehmern im Zuge der Finanzkrise erst wirklich deutlich: der Verkauf von Forderungen von Krediten und Darlehen von Banken an andere Banken - und Fondsgesellschaften. Ohne letztere wäre diese Praxis wohl der Öffentlichkeit noch eine Weile unbewusst geblieben, jedoch das aggressive Vorgehen der Fondsgesellschaften gegenüber ihren „Neukunden“ zeigte, dass ein langjähriger Vertrag eben nicht zwingend heißt, dass dieser mit dem gleichen Partnern besteht.

Kreditverkauf und - ankauf gehört zum Geschäft

Dabei ist der Handel mit Krediten und Darlehen nichts Ungewöhnliches und auch nichts Neues und gehört mit zum Tagesgeschäft. So verkaufte allein die Commerzbank zwischen 2005 und 2008 Kredite im Volumen von mehr als 300 Millionen Euro an andere Banken und sind damit nicht allein.

KreditverkaufEs handelt sich dabei nicht um ein Randphänomen oder Gelegenheitsverkauf, sondern um ein Mittel der Refinanzierung der Banken - denn in erster Linie werden hauptsächlich „schwierige“ Kredite und Forderungen verkauft, das heißt, Kredite und Forderungen, die von den Schuldner in der Vergangenheit über einen längeren Zeitraum nicht bedient oder nur sehr unregelmäßig bedient wurden. Um das Risiko für eine Bank zu minimieren, werden die Kredite dann meist an eine andere Bank, oder seit kurzem eben auch Gesellschaften, verkauft.

Der Kunde wird darüber nur selten in Kenntnis gesetzt und merkt es auch fast nie. Nur bei Krediten, die meist aus Gründen der Sicherheit, wie beispielsweise Immobilienkredite und Baufinanzierungen, eine Eintragung der Gläubiger in das Grundbuch verlangen, kann man den Verkauf in der Regel nachvollziehen, da mit einem Verkauf der Kredites natürlich auch der Gläubiger wechselt - auch im Grundbuch.

Ein Kreditverkauf führt übrigens nicht immer dazu, auch wenn man sich nicht als guter Kunde erwiesen hat, dass dieser vom Neubesitzer sofort gekündigt und eingetrieben wird. In den meisten Fällen ist die Planung der Gläubiger langfristiger und spekulativer ausgerichtet, so dass diese sich eher an den steigenden Kreditkosten (bedingt durch die schlechte Bedienung) orientieren anstatt diesen eintreiben zu wollen.

Verschiedene Möglichkeiten des Verkaufs

Nur in sehr seltenen Fällen tritt der neue Gläubiger dabei direkt gegenüber dem Schuldner auf - zum einen aus den oben geschilderten Gründen, zum anderen, weil der Verkauf dies nicht möglich macht. Das klassische Schreckszenario, dass die „Heuschrecke“ vor der Haustür steht und dieses zwangsversteigern will, wird oft durch den indirekten Verkauf vermieden, denn es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie der Verkauf in der Praxis stattfindet.

Direkter Verkauf des Kredites und Sicherheit
Hierbei handelt es sich um das Szenario, welches 2008 durch die Medien geisterte: Eine Bank verkauft die Forderung aus einem Kredit oder einer Baufinanzierung an jemand anderen - dieser ist dann der neue Vertragspartner und die Bank ist raus. Sie haftet lediglich noch gegenüber dem Käufer auf Schadenersatz falls Unregelmäßigkeiten beim Kauf vorlagen und dieser getäuscht wurde.

Für den Kunden bedeutet das, dass bei Problem oder Wünschen (Tilgung verändern, Umschuldung, Anschlussfinanzierung usw.) der Käufer seines Kredites der neue Ansprechpartner ist. Gleichzeitig ist er nun dem Käufer mehr oder weniger ausgeliefert - denn erweist sich dieser weniger geduldig als die alte Bank, so kann er Rechte aus dem Vertrag geltend machen, z. B. die Vertragskündigung und Eintreibung der Restforderung oder eben Zwangsversteigerung der gestellten Sicherheiten.

Indirekter Verkauf des Kredites und Sicherheiten mit Servicing
Dieser Fall ist der in der Praxis bei Einzelkrediten häufigste - hierbei wird zwar der Kredit und dessen Sicherheiten an den neuen Käufer verkauft, jedoch bleibt das so genannte Servicing bei der Bank. Für Banken und Käufer hat das mehrere Vorteile: Die Banken sind das Kreditrisiko los und der Käufer spart sich die Verwaltung, beispielsweise in Form der Kundenkommunikation und der Kreditverwaltung.

Kreditverkauf ServicingFür den Kunden bleibt vorerst alles beim alten und er merkt im Grunde von dem Verkauf nichts - jedoch kann sich das Verhalten der Bank ihm gegenüber nun ändern, beispielsweise wenn der Käufer des Kredites aus einer härteren Gangart besteht und sich weniger geduldig bei Vertragsverletzungen (z. B. verzögertem Tilgen der Rate) zeigt. Die Bank ist dann als „Servicedienstleister“ in der Pflicht, dem nachzukommen.

Doppelter Verkauf des Kredites und der Sicherheit
Der Kredit und die Sicherheiten werden von der Bank an einen Dritten verkauft - dieser verkauft anschließend die Grundschuld nebst abstraktem Schuldanerkenntnis weiter. Der Käufer kann damit theoretisch die gesamte Grundschuld eintreiben, auch wenn bereits Teile gezahlt wurden. In der Praxis passiert dies jedoch in der Regel nicht, da der Käufer die Rückzahlung anrechnen muss. Sollte dieser abstrakte Anspruch trotzdem durchgesetzt werden, so kann ein Kunde im schlimmsten Fall nur reagieren (Umschuldung, wenn möglich) und seine alte Bank auf Schadenersatz verklagen.

In der Masse kommen jedoch zwei anderen Mittel zur Anwendung:

Verkauf von Kreditpaketen
Kredite werden hierbei in einer Zweckgesellschaft ausgelagert, an welche auch das Besitzverhältnis übergeht, welche anschließend verkauft wird. Der Käufer der Zweckgesellschaft, beispielsweise eine andere Bank oder ein Investor, ist anschließend der neue Partner. Mit dieser Variante sollen in der Regel eine Reihe von faulen oder schwierigen Krediten aus einer Bank herausgelöst werden und diese so verkauft oder von der Kernsubstanz im Falle einer Abschreibung ferngehalten werden.

Synthetische Transaktion / Verbriefung
Am verbreitetsten und für den Kunden nicht nachvollziehbar ist die Synthetische Transaktion oder Verbriefung: Hierbei werden eine Reihe von Verträgen zwischen Bank und Käufer geschlossen, bei denen im Grunde die Bank Inhaber der Forderung und Sicherheiten bleibt und der Käufer das wirtschaftliche Risiko übernimmt. Der Käufer erhält dafür zum Ausgleich Garantien und Kreditderivate der Bank und bekommt somit eine Prämie gezahlt. Synthetische Verbriefungen / Transaktionen sind ein Anwendungsfeld für Credit Default Swaps (Kreditausfall-Swap) und Credit Linked Notes.